Tipps & Tricks

Hallo Herr Butschal!
Danke für ihre schnelle Antwort! Ein weiterer Artikel bei ihnen hat meine Neugier erweckt.Bitte senden Sie mir ein Passwort für Artikel von Herrn Wichnalek (Zahntechnik).

Das Passwort zum Donload gilt auch für die anderen Artikel. (H. Butschal)

In diesem Artikel wird u.a. über das Verwenden von rechteckigen Gußkanälen gesprochen. Da ich Zahntechnik gelernt habe und diverse Gießtechniken mitgemacht habe (Flammguß, Schleuder, Lichtbogen, Hochfrequenz etc. etc.) konnte ich bei Edelmetall und Co-Cro-Mo Legierungen keinen direkten Unterschied bei der Verwendung von eckigen Gußkanälen im Vergleich zu Runden sehen.

ABER: Der Werkstoff Titan ergab da eine ziemliche Überraschung. Bisher wurde das Gußobjekt (z.B. dünne Metallkappe 0,3-0,4mm über den kompletten Zahnstumpf) mit einem Gußband angestiftet (normale runde Gußkanäle konnte man total vergessen!) und an den Rändern, je nach Größe des Objekts, mit 2 – 4 dünnen Nachsaugkanälen versehen. Wurden diese Nachsaugkanäle nicht angebracht, war ein Risiko von über 40% vorhanden, das der Rand nicht ausfließt -> Arbeit neumachen -> Zeitverlußt. Dickere Objekte wie Vollgußkronen, waren zu 80-90% mit Gasblasen versehen (im Bereich der Gußbänder). Nachdem das Objekt durchgeröntgt wurde, mußte man die Blasen auffräsen und den Hohlraum mit Titandraht und mit Hilfe des Lasers zuschweißen. Sehr sehr nervig sag ich ihnen! Dann haben wir die eckigen Gußkanäle ausprobiert. Das Objekt wurde mit dem eckigen Gußkanal versehen und auch eckig angestiftet. Dann kam der Metallring über die Modellation und es wurde mit der ganz normalen Spinelleinbettmasse eingebettet. Das Titan wurde wie bisher auch mit der Lichtbogenschmelzanlage gegossen. Beim Ausbetten die Überraschung: Alle Ränder vorhanden, keinerlei Gasblaseneinschluß (geröntgt) und die dünneren Kanäle (im Vergleich zu den Gußbändern) konnten schneller beigearbeitet werden. Soviel zu den eckigen Gußkanälen. Ich hoffe, das war für sie zum lesen ganz Interessant.

MfG M. Kolberg

(bildanlage – lichtbogenschmelze)

 

 

 

 

—-Ursprüngliche Nachricht—–
Von: Ulrich Wehpke
Betreff: Zusatzmaterial

Hallo Herr Butschal,

ich habe soeben das Zusatzmaterial getestet. Und zwar in Silber und 585 GG. Wenn die Ergebnisse so bleiben, ist das ein weiterer Schritt nach vorn, zur Perfektion. Allerdings werden wir nun mit separaten Tiegeln arbeiten müssen.

Vor allem fällt auf, dass die gegossenen Teile zinkfrei sind, und dadurch einigermaßen feinkristallin in Erscheinung treten. Die Oberflächenspannung der Schmelze wird offenbar kräftig reduziert, was im Tiegel wirklich komisch, will sagen ungewohnt aussieht. Vom „Blicken“ des Materials kann nun keine Rede mehr sein. Die Abbildungsgenauigkeit ist sehr gut.

Vor allem ging es mir darum, zum Gießen geeignete Materialien zu erhalten, die Zinkfrei sind. Bei den Fertig-Legierungszusätzen, sieht man bereits nach dem ersten Laserschuss das weiße Zinkoxid um die Schmelzstelle. Viel Zink und viel Silizium= Korngrenzenbrüchigkeit. Dazu neigen die mit ihrem Mittel versehenen Materialien anscheinend nicht.

So weit mal ein vorläufiger Erfahrungsbericht. Jetzt muss ich nur noch meinen Kummer mit Weißgold in den Griff bekommen. Palladiumweißgold neigt dazu nicht immer durchzulaufen, bei dem Weißgold welches wir mit den Fertig-Legierungszusätzen machen ist es so, dass das Material nicht recht weiß ist, es neigt- wie die anderen Fertig-Legierungszusätze auch, zu Kornbrüchigkeit und Riesenkristallen und ist allenfalls 2 mal zu vergießen, weil die Fehlerquote danach schier unerträglich wird. Vor allem die Gaseinschlüsse machen Ärger, sie lassen das Material mitunter als regelrechten Schwamm erscheinen. Außerdem ist die auftretende Gusshaut viel stärker als normal und es sind auch immer wieder Kupferoxydulfahnen zu beobachten, die zu unschönen Fehlern und Brucherscheinungen führen.

Was rät der Fachmann hierzu? Ach so, bevor ich es vergesse, wir , d.h. mein Sohn und ich, sind am Samstag wahrscheinlich auf der Inhorgenta. Es wäre schön, wenn wir uns bei dieser Gelegenheit persönlich kennen lernen würden!

Viele Grüße aus Krefeld,

Ulrich Wehpke
Sehr geehrter Herr Wehpke,

danke für Ihren Erfahrungsbericht. Darf ich unsere Korrespondenz unter „Tipps und Tricks“ in der Werkstatt veröffentlichen?

Zu dem Palladiumweissgold:

Ich gieße erstens nicht mit Ihren Zusätzen und habe da keine Erfahrung. Mein Palladiumweißgold mag ich auch nicht so gern wegen der Farbe und rauheren Oberfläche. Ich versuche so weit wie möglich Überzeugungsarbeit für gutes und reinweißes und „allergiefreies“ Nickelweißgold zu leisten. Und da nützt der AC 9.105 Glanzzusatz enorm. Ich bekomme manchmal damit hochglänzende Oberflächen im Guss. Noch besser als mit Gelbgold und Silber.

Haben Sie denn schon den Glanzzusatz bei Ihrem Palladiumweisgold probiert? Die Fließfähigkeit müsste es deutlich erhöhen. Für den Rest (Kristallkorngrößen und Farbe) mag ich nicht garantieren.

Aber versuchen Sie doch mal den Trick mit ganz dünner Messingfolie im Rhodiumbad nur ganz kurz 5-10 Sekunden (sozusagen unsichtbar) galvanisiert und dann ein Stück (0,5 cm² pro 100 gr. Metall) in die flüssige Schmelze gestoßen, dürfte für reichlich Kristallisationskeime „Rhodium-cluster“ sorgen, so das die Kristalle gar nicht mehr so groß wachsen können.

Ich freue mich auf Ihren Besuch in München (Inhorgenta)
Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Butschal

 

 

 

Warum kompIiziert, wenn es auch einfach geht?

Erfahrungen mit einer etwas anderen Gießmethode

Ein Beitrag von Zahntechnikermeister Norbert Wichnalek, Augsburg

Dentale Gußtechnik?

Das ist eine Philosophie für sich. Tatsächlich wird um den Präzisions- Goldguß in der Zahn- technik viel philosophiert. Mal sind es neuartige Anstifkanäle, die das Gußergebnis deutlich verbessern, dann wieder die Gußmuffeln, die die Präzision erhöhen. Und wenn alles nicht hilft, muß in neues computergesteuertes Gießgerät angeschafft werden. Norbert Wichnalek hält diese ganze verfahrensweise für restlos überzogen. Er hat sich in der Schmuckindustrie umgeschaut und ist dabei auf ein Gießverfahren gestoßen, das sich deutlich einfacher gestaltet, als die Gießmethoden in der Dentaltechnik. Die erfolgreiche Anwendung konnte der Augsburger Erfinder und Bastler anhand von vielen gelungenen, teilweise skurrilen Probegüssen eindrucksvoll dokumentieren.

Wie so oft in der Zahntechnik werden – bewußt oder auch unbewußt – die einfachsten Dinge und Arbeitsabläufe von der Dentalindustrie oder von uns selbst unnötig verkompliziert oder sogar im Umfeld eine ganze Philosophie aufgebaut. Die in der Zahntechnikerbranche vorherrschende Meinung je komplizierter, je aufwendiger und je teurer ein Gerät oder ein Arbeitsablauf ist, um so besser muß auch das Endprodukt sein, wird allzuoft in bare Münze umgesetzt. Es gibt aber zahlreiche Theorien in der Zahntechnik, die sich wirklich nur auf die Theorie beschränken und für die tägliche Praxis leider unbrauchbar sind. Beispielsweise sind Arbeiten, die auf Phantommodellen hergestellt wurden, fast immer perfekt, ihre Anfertigung ist oftmals aber sehr umständlich, unnötig kompliziert und meist praxisfremd. Ich denke dabei auch an skurrile Meisterprüfungskonstruktionen oder an die verschiedensten, sehr praxisfremden Aufwachstechniken.

Eine Sache für sich ist das Thema der Gußtechnik in der Zahntechnik. Auch in diesem Bereich werden die Gußgeräte immer komplizierter, aufwendiger und somit auch teurer.Doch zeigt die Erfahrung, daß Fehlerquellen bei solch hochkomplizierten Geräten oder Systemen immer schwieriger zu lokalisieren sind. Schon bei der kleinsten Störung wird der Wartungstechniker des entsprechenden Gußgeräteherstellers benötigt (hohe Wartungskosten).

Diese Entwicklung setzt sich auch bei den Gußzubehörteilen fort: So kamen im Lauf der letzten Jahre die unterschiedlichsten Varianten an Gußmuffeln auf den Markt. Gleichzeitig wurde über die
Anbringung, Form und den Durchmesser eines Gußkanals variantenreich theoretisiert. Beispielhaft seien hier die eckigen oder auch quadratischen Gußkanäle angeführt, die – nach Auffassung
ihrer Anwender – die Luft aus der Muffel über ihre unausgefüllten Ecken entweichen lassen sollen. Eine wenig glaubhafte Theorie, da beim Schleuderguß die Schmelze durch die Fliehkraft an die äußere Wandung des Gußkanals gedrückt wird und so der Gußhohlraum vom äußersten Punkt der Modellation (von außen in Richtung der Fliehkraft) zum Gußkanal hin gefüllt wird. Die Luft wird dabei von der Schmelze nach außen gedrückt.

Beim Vakuumdruckguß füllt sich der Hohlraum vom Gußkanal zur Modellation hin. Der Gußhohlraum ist schon vorher evakuiert, und die Schmelze bekommt von Richtung Gußkanal her Druck, und somit kann auch die Restluft nicht aus dem Gußhohlraum entweichen.

Auch taucht die Frage auf, ob man einen eckigen Gußkanal dann nicht auch eckig anstiften müßte? Für mich steht auf jeden Fall fest, daß jede Einbettmasse luftdurchlässig ist und die Luft über die Einbettmasse entweichen kann.

Das ich mich schon seit Jahren mit dem Thema Gießen auseinandersetze und auch Gußkurse in der Schmuckindustrie besucht habe, wurde mir klar, daß die Gußtechnik auch viel einfacher zu handhaben ist.

Seminarnameldung für Dentalguss bei Norbert Wichnalek

Dubliertechnik
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